<
Quellen:
Norris RS and Kristensen HM (2013) Global nuclear weapons Inventories.
Yang, Xiaoping; North, Robert; Romney, Carl; Richards, Paul G. (August 2000), Worldwide Nuclear Explosions.
Quelle:
IPPNW: Radioaktive Verseuchung von Himmel und Erde, 1992
Quelle:
IPPNW: Radioaktive Verseuchung von Himmel und Erde, 1992
1950
1960
1970
1980
1990
2000
2010
1945
Anzahl Atomwaffen
Atomtest
Atomwaffen-Testgebiet
mit Explosions-Anzahl.
Offizielle Atommächte
Atomwaffenbesitz aufgegeben
Inoffizielle Atommächte
Atomwaffenprogramm eingestellt
Radius zerstörter Häuser
Umkreis Verbrennungen dritten Grades
Hiroshima-Bombe
Land: U.s.A.
Spitzname: «Little boy»
Sprengkraft: 15 Kilotonnen
Trinity-Test
Land: U.S.A
Spitzname: «gadget»
Sprengkraft: 20 Kilotonnen
stärkste us-bombe
Land: U.S.A
Spitzname: «castle bravo»
Sprengkraft: 15 MegaTonnen
stärkste Sowjet-bombe
Land: Sowjetunion
Spitzname: «zar»
Sprengkraft: 57 MegaTonnen
TN 80/81
Land: Frankreich
Grösste bombe im arsenal
Sprengkraft: 300 kiloTonnen
b-83
Land: U.S.A
Grösste bombe im arsenal
Sprengkraft: 1,2 MegaTonnen
Topol-M
Land: Russland
Grösste bombe im arsenal
Sprengkraft: 800 kiloTonnen
Dongfeng 5
Land: China
Grösste bombe im arsenal
Sprengkraft: 5 Megatonnen
U.K.
0
U.S.A.
0
ISRAEL
0
INDIEN
0
PAKISTAN
0
NORDKOREA
0
FRANKREICH
0
U.D.S.S.R.
0
RUSSLAND
0
CHINA
0
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Start
Atommächte
Atomtests & Bestände
TESTGELÄNDE
radioaktive Verstrahlung
ABKOMMEN
Nichtverbreitungsvertrag
Die bomben
Entwicklung & Sprengkraft
Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki

Am 6. und 9. August jähren sich die Atombombenabwürfe der Amerikaner über den Städten Hiroshima und Nagasaki zum 70. Mal. Hunderttausende kamen durch die Atombomben ums Leben. Bis heute leiden die Menschen an den Folgen der nuklearen Verseuchung.

Am 6. August 1945 um 8.16 Uhr detonierte die erste Atombombe mit dem Codenamen "Little Boy" über der japanischen Stadt Hiroshima. Drei Tage später traf die zweite Atombombe "Fat Man" die Hafenstadt Nagasaki. Wenige Tage später, am 15. August 1945, gab Japan seine Kapitulation bekannt; damit war der 2. Weltkrieg beendet. Bei dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima kamen 80.000 Menschen ums Leben, in Nagasaki starben 75.000 Menschen. In den darauffolgenden Wochen starben an den Folgen der radioaktiven Verstrahlung mehr als 100.000 Menschen.

In Hiroshima explodierte die Atombombe 580 m über dem Stadtzentrum. Die Druckwelle zerstörte fast die gesamte Innenstadt in einem Umkreis von fünf Kilometern. Ein Feuerball mit einer Temperatur von 6.000 Grad Celsius verbrannte Gebäude, Menschen und Stahl. Die Detonation war so stark, dass 80.000 Menschen sofort starben.

Von 14.000 Menschen blieben nicht einmal Überreste übrig, sie verdampften in der Hitze der Bombe. Später entdeckte man von ihnen in das Mauerwerk eingebrannte Schatten. Die atomare Strahlung der Atombombe verseuchte das Grundwasser und die Felder. Unter der atomaren Katastrophe leidet Japan bis heute: Jährlich sterben Tausende Menschen an den Folgen der nuklearen Verstrahlung.

Hiroshima wurde zum Symbol der apokalyptischen Vernichtungskraft der Atomwaffen und größten nuklearen Verwüstung der Geschichte. Die Atombombenabwürfe markierten auch den Anfang einer neuen Epoche, geprägt vom Wettrüsten zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion.

Seit den 1970er-Jahren verbietet der Atomwaffensperrvertrag die Produktion und Weiterverbreitung von Atomwaffen. Dennoch gibt es weltweit schätzungsweise über 10.000 atomare Sprengköpfe.

Phoenix zeigt anlässlich des 70. Jahrestages des Atombombenabwurfs über Hiroshima am Mittwoch, den 05. August 2015, um 22.15 Uhr die Dokumentation „Hiroshima“.

Atomtests und Kernwaffenbestand

Vor 70 Jahren, am 16. Juli 1945, wurde in der Wüste von Alamogordo, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat New Mexico, die erste Plutoniumbombe gezündet. Mit dem "Trinity-Test" begann die Ära des atomaren Wettrüstens, welches lange Jahre die internationale Politik bestimmen sollte.

Nur einen Monat später warfen die Amerikaner zum Ende des Zweiten Weltkriegs Atombomben über Hiroshima und Nagasaki ab und töteten damit über 150.000 Menschen. Die beiden japanischen Städte einschließlich ihrer Bewohner dienten als Versuchsobjekte, an denen die Wirkung der Atombombe getestet wurde. Doch der Schrecken von Hiroshima und Nagasaki hat nicht etwa zu Ende von Atomtests geführt, sondern vielmehr weitere Atommächte zu Testversuchen bewegt. Seit 1945 haben die fünf Atomwaffenstaaten USA, UdSSR (Russland), Frankreich, Großbritannien und China 2045 Atomwaffentests in der Atmosphäre und unter der Erde durchgeführt. In der Summe bedeutete dies, dass die Erde bis 1998 alle 10 Tage von einem Atombombentest erschüttert wurde.

Der Kalte Krieg intensivierte vor allem das Wettrüsten zwischen den atomaren Supermächten USA und UdSSR. Der Bestand von atomaren Waffen wurde auf beiden Seiten stetig vergrößert. Den Höhepunkt erreichten die USA 1966 mit 31.175 und die UdSSR 1986 mit über 40.000 atomaren Sprengköpfen. Die beiden Atommächte wetteiferten auch in Testversuchen, sie führten 85 Prozent der Gesamtzahl aller Atomtests weltweit durch. In dem Jahr 1962 erreichte die Atomtestwut der USA und UdSSR ihren Höhepunkt, 175 Atomtests wurden allein in dem Jahr von ihnen verübt.

Die Schwellenländer Indien, Pakistan und Nordkorea haben erst wesentlich später mit nuklearen Tests begonnen. Indien testete 1974 die erste Atomwaffe. 1998 folgten weitere Tests von Indien und Pakistan. Schließlich zündete Nordkorea jeweils 2006, 2009 und 2013 eine Atombombe im Testversuch. Die Gesamtzahl der Tests der drei Länder beläuft sich auf acht Experimente. Israel ist zwar die fünftgrößte Atommacht der Erde, hat aber als einziger Staat dieser Klasse noch keinerlei nukleare Tests durchgeführt. Was den Kernwaffenbestand betrifft, sind diese vier Atommächte zahlenmäßig weit von Russland und den USA entfernt, aber dennoch nimmt ihr Atomwaffenarsenal stetig zu.

Bis heute haben weltweit insgesamt 2055 Atomtests von acht Staaten stattgefunden. Nach einem erfolglosen Versuch im Jahre 1966 die Testserien zu stoppen, konnte erst in den 90er Jahren ein Moratorium errungen werden. Offiziell wurde 1996 der Atomwaffenteststopp-Vertrag beschlossen. Seit 1992 halten die USA eine Atomtest-Pause ein. Die Sowjetunion bzw. Russland testete zuletzt 1990, Großbritannien 1991. Frankreich führte eine letzte Testserie 1995 durch, China startete den letzten Test im Jahr 1996. Auch der Bestand der Atomwaffen geht seit Ende des Kalten Krieges und nach dem Inkrafttreten des Atomwaffensperrvertrags zurück. Die fünf offiziellen Nuklearwaffenstaaten haben seit 1990 ihre Arsenale verringert, sie sind aber von einer vollständigen nuklearen Abrüstung weit entfernt. Heute gibt es weltweit immer noch mehr als 10.000 Atomwaffen, (von denen nach Schätzungen 30 Prozent einsatzbereit sind). Mehr als 90 Prozent der globalen Arsenale sind weiterhin im Besitz der USA und Russlands. Von einer Welt ohne Atomwaffen ist die Menschheit 70 Jahre nach den Atombombenabwurf über Hiroshima weit entfernt.

Verstrahlung von Mensch und Natur

Über 2000 Atombomben wurden auf der Welt getestet. Über 80 Prozent der Tests fanden in den USA und Russland statt. Die Testgebiete sind für mehrere hundert Jahre verseucht. Die Auswirkungen der Tests des 20. Jahrhunderts sind so groß, dass sie nachweislich die Hintergrundstrahlung auf der Erde erhöht haben.

Atmosphärische Tests führten in der Nähe der Testgelände zu intensivem radioaktiven Niederschlag - Fallout genannt – sowie zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen der lokalen Bevölkerung und Verseuchung der Umwelt. Die Organisation „Ärzte gegen den Atomkrieg“ schätzt die Zahl der tödlichen Krebsfälle durch oberirdische Atomtests auf weltweit 430.000. Diese Atombombenexplosionen können Erdrutsche, Erd- und Seebeben auslösen. Der letzte oberirdische Atomtest der Sowjetunion fand am ersten Weihnachtsfeiertag 1962 statt. Gemeinsam mit den USA hatten sie sich darauf verständigt, zukünftig nur noch unterirdische Tests durchzuführen. Der Grund hierfür war die Unberechenbarkeit des „Fallouts“.

Bei unterirdischen Atombombentests ist die Gefahr des Austritts radioaktiven Materials geringer aber doch stets vorhanden, insbesondere bei porösem Gestein. Bisher kam es auch in allen Test-Ländern zur Freisetzung von Radioaktivität. Für die Durchführung eines unterirdischen Atombombentests wird ein ca. 1000 Meter tiefes Loch gebohrt in das die Atombombe mitsamt Messgeräten versenkt wird. Anschließend wird dieses Loch mit Beton versiegelt. Im Unterschied zu einer oberirdischen Atombombenexplosion mit ihrem spektakulären Atompilz ist von einer unterirdischen Atombombenexplosion nur ein Erdbeben zu spüren. Durch die zahlreichen unterirdischen Tests wurden riesige atomare „Müllhalden“ geschaffen.

Während der Explosion einer Atombombe entsteht radioaktive Strahlung. Die dabei entstehenden Alpha- und Betastrahlen sind wegen ihrer geringen Reichweite vergleichsweise harmlos, außerdem reicht schon ein Blatt Papier bzw. ein dünnes Aluminiumblech, um sich davor zu schützen. Anders sieht es mit der entstehenden Gamma- und Neutronenstrahlung aus: diese abzuschirmen ist sehr viel schwerer. Gammastrahlen können durch dicken Beton oder Blei aufgehalten werden. Neutronenstrahlen sind noch schwerer abzuschirmen, da sie sich von Feststoffen kaum bremsen lassen. Für den Menschen bilden sie die unsichtbare Todesfalle einer Atombombe.

Tonnen von Staubpartikeln werden bei einer oberirdischen Atombomben-Explosion verstrahlt und in die Atmosphäre gewirbelt. Diese radioaktive „Wolke“ ist eine nicht kalkulierbare Gefahr. Je nach Windrichtung und –stärke kann sich der verseuchte Staub auf weiter entfernte Gebiete verteilen oder sich mit vorhandenen Wolken mischen und abregnen. Die betroffenen Gebiete werden radioaktiv verstrahlt. Die Folge: Dort lebende Menschen können sterben, Gebiete unbewohnbar werden. Nur zwei Prozent des Fallouts der amerikanischen Atombombe „Storax Sedan“ gelangte in den etwa vier Kilometer hohen Atompilz – der Rest fiel in den Krater zurück oder verteilte sich im direkten Umkreis. Trotzdem reichte diese geringe Menge aus, um nachweislich rund 13 Millionen Menschen in den USA radioaktiv zu belasten. Die Radioaktivität gelangte durch den Wind bis vor das rund 2500 Kilometer entfernte Chicago.

Viele Menschen, Anwohner wie Militärs, fielen den Atomtests zum Opfer. Entweder weil man es zu Beginn der Forschung nicht besser wusste, oder weil Anwohner schlicht weg nicht informiert wurden. Mitarbeiter des Militärs mussten sich zu Beginn der Atomtests nur mit einer Sonnenbrille schützen. Viele starben an den Folgen der Verstrahlung. Das französische Verteidigungsministerium hat anerkannt, dass rund 150.000 Krebsfälle auf ihre Atomtests in der algerischen Sahara und den Pazifikatollen Mururoa und Fangataufa zurückzuführen sind. Rund 10 Millionen Euro jährlich wendet Frankreich seit 2010 auf, um den Opfern von Strahlenschäden zu helfen.

Der russische Physiker Andrej Sacharow, der die größte je vom Menschen getestete Atombombe entwickelt hat, stellte folgende Gleichung auf: Jede Megatonne atomarer Sprengkraft fordert langfristig 10.000 Menschenleben.

Nuklearer Nichtverbreitungsvertrag

Anfang März 1970 trat der nukleare Nichtverbreitungsvertrag (NVV), auch Atomwaffensperrvertrag genannt, in Kraft. Er sollte die Verbreitung von Kernwaffen stoppen, die Abrüstung vorantreiben und für mehr globale Sicherheit sorgen.

Durch den Atomwaffensperrvertrag wurde festgelegt, dass nur die durch den Atomwaffensperrvertrag anerkannten fünf Länder USA, Russland, Frankreich, China und Großbritannien legal Atomwaffen entwickeln oder erwerben dürfen. Die ehemaligen Atommächte Weißrussland, Kasachstan, die Ukraine und Südafrika vernichteten ihr gesamtes Nukleararsenal mit dem Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag. Auch Argentinien, Brasilien, Südafrika, Libyen und der Irak gaben ihr Atomwaffenprogramm auf. Nicht-Mitgliederstaaten des Atomwaffensperrvertrags und inoffizielle Atomwaffenstaaten sind Israel, Pakistan, Indien und Nordkorea. Nordkorea trat 2003 aus dem Vertrag aus und entsagte allen Verpflichtungen, mit dem Ziel, eine Atommacht zu werden. Inzwischen gibt es 189 Staaten, die Mitglied sind und damit auf die Entwicklung von Atomwaffen verzichten. Im Gegenzug bekommen sie atomare Materialien, wissenschaftliche Erfahrung und Technologien zur Verwendung von Atomenergie für zivile Zwecke zur Verfügung gestellt. Denn die friedliche Nutzung atomarer Energie ist, beispielsweise zur Stromerzeugung, erlaubt.

Eine wichtige Institution des Nichtverbreitungssystems ist die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO). Sie ist für die Überwachung des Atomwaffensperrvertrages zuständig. Durch Kontrollinspektionen soll sie verhindern, dass Nuklearmaterial für die zivile Nutzung für militärische Absichten missbraucht wird.

Heute beschäftigen die Weltgemeinschaft vor allem die Entwicklungen in Nordkorea und im Iran. Seit dem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag 2003 macht Nordkorea mit Atomtests auf sich aufmerksam. Dem Iran, Unterzeichnerstaat der ersten Stunde, wird seit 2003 vorgeworfen, nicht nur die zivile, sondern auch die militärische Nutzung von Nukleartechnik anzustreben. Im Juli 2015 erreichten die UN-Vetomächte, Deutschland und der Iran nach jahrelangem Streit ein Abkommen zur Begrenzung des Atompotenzials der Islamischen Republik. Das Atomabkommen soll sicherstellen, dass Teheran keine Atombombe entwickeln kann, während es sein ziviles Atomprogramm weiter betreiben darf. Im Gegenzug sollen internationale Wirtschaftssanktionen gegen den Iran schrittweise fallengelassen werden.

Der nukleare Nichtverbreitungsvertrag enthält die Verpflichtung, alle Atomwaffen „in redlicher Absicht“ durch einen Ächtungsvertrag abzurüsten. Am Ende der Überprüfungskonferenz im Mai 2000 entstand ein 13-Schritte-Programm zur atomaren Abrüstung. Die fünf offiziellen Atommächte sagten darin die völlige Beseitigung ihrer Arsenale zu - allerdings ohne Terminangabe. Zuletzt haben sich die USA und Russland im April 2010 in einem gemeinsamen Vertrag (Strategic Arms Reduction Treaty, START) dazu verpflichtet, die einsatzfähigen nuklearen Sprengköpfe innerhalb der nächsten sieben Jahre von je 2.200 auf 1.550 zu reduzieren.

Eine beunruhigende Entwicklung zeichnet sich durch die Modernisierung amerikanischer Atomwaffen in Europa ab. Die USA planen, ihre Atombomben des Typs B61 zu modernisieren, damit sie bis 2050 einsatzbereit bleiben. Statt die Chance zu nutzen alte Atomwaffen abzuschaffen, könnte so eine neue atomare Aufrüstung weltweit stattfinden.

Entwicklung von Atombomben

"Da wir die Atombombe erfunden haben, haben wir sie benutzt“, rechtfertigte der US-Präsident Harry S. Truman die Bombardements von Hiroshima und Nagasaki. Die Explosionen waren der erste traurige Höhepunkt einer rasanten Entwicklung.

Im August 1939 schrieb der in die USA emigrierte deutsche Physiker Albert Einstein zusammen mit Kollegen einen Brief an den damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Darin warnte er Roosevelt vor Hitlers möglichen Plänen, eine Atombombe entwickeln zu lassen. Es war der Beginn des US-amerikanischen Forschungsprogramms „Manhattan Projekt“ – der Versuch eine Bombe zu bauen, die nach dem Prinzip der Kernspaltung funktioniert. Bei solch einer Detonation werden riesige Mengen Energie frei, die in Form von Hitze, Druckwellen und radioaktiver Strahlung auftreten. Um die Gewalt der Sprengkraft zu beschreiben, nutzt man das „TNT-Äquivalent“. Eine Atombombe mit 10 Kilotonnen Sprengkraft wäre also so stark wie die gleiche Menge an TNT-Sprengstoff.

Im Rahmen des „Manhattan Projekts“ ließen die USA auf dem Testgelände in der Wüste von New Mexiko am 16. Juli 1945 die weltweit erste Atombombe mit einer Sprengkraft von 20 Kilotonnen zünden. Nur drei Wochen später warfen sie eine Atombombe auf Hiroshima.

Zwei sowjetische Spione, die am „Manhattan Projekt“ teilnahmen, gaben bereits 1944 die Informationen über den Bau der Atombombe an die Sowjets weiter. Das weltweite Wettrüsten um die meisten und stärksten Atombomben hatte begonnen.

Im Januar 1950 begannen die Amerikaner mit der Weiterentwicklung zur Wasserstoffbombe nach dem Prinzip der Kernfusion - also der Verschmelzung von Atomkernen. Dadurch wurden neue Dimensionen im Bereich der Sprengkraft ermöglicht: Man war nun im Megatonnen-Bereich. Die am 1. November 1952 weltweit erste getestete Wasserstoffbombe „Ivy Mike“ war so stark, dass die Insel Elugelab vollständig verdampfte. Bereits neun Monate später testete die Sowjetunion ihre erste Wasserstoffbombe. Der weltweit stärkste Test fand in Russland statt: Die „Zar“-Bombe hatte 57 Megatonnen Sprengkraft und war damit fast sechs Mal stärker als „Ivy Mike“.

Eine weitere Sonderform der Atombombe wurde Ende der 1950er Jahre entwickelt, aber erst 1981 unter US-Präsident Ronald Reagan gebaut: die Neutronenbombe. Sie erzielt ihre Wirkung fast ausschließlich durch freiwerdende Neutronenstrahlen, also ohne größere Hitze- oder Druckentwicklung. Die Folge: Menschen im Umkreis von einem Kilometer werden sofort gelähmt und können innerhalb von Stunden sterben, weil die Neutronenstrahlung in das menschliche Gewebe eindringt und schwere Zellschäden verursacht. Gebäude hingegen werden kaum beschädigt. Ein Gebiet, in dem eine Neutronenbombe gezündet wurde, kann innerhalb von 24 Stunden wieder betreten werden. Die europäischen Verbündeten kritisierten diese Art von Bombe und ließen nicht zu, dass sie in Europa stationiert wurde – für Amerika war sie damit strategisch wertlos. US-Präsident George H. W. Bush veranlasste die Vernichtung des kompletten Bestands an Neutronenbomben.

Die Bomben

Trinity-Test

  • Land: USA
  • Name: „Gadget“
  • Sprengkraft: 20 Kilotonnen
  • Testdatum: 16. Juli 1945
  • Umkreis zerstörter Häuser: 0,8 km
  • Umkreis Verbrennungen dritten Grades: 2,3 km
  • Umkreis tödlicher Strahlung: 1,4 km

„Trinity“ – zu Deutsch: Dreifaltigkeit – war weltweit der erste Atombombentest, den die USA auf ihrem Testgelände in der Wüste von New Mexico durchführten. Die bei dem „nuklearen Urknall“ freigesetzte Hitze schmolz den Sand im Umkreis zu grünlichem Glas, das daher den Namen „Trinitit“ bekam. Die gewaltige Explosion war eine Machtdemonstration der USA während des Zweiten Weltkriegs. Das Abschreckungspotential führte zu einer völlig neuen Militärstrategie auf dem Globus.

Hiroshima

  • Land: USA
  • Name: Little Boy
  • Sprengkraft: 15 Kilotonnen
  • Explosionsdatum: 6. August 1945
  • Umkreis zerstörter Häuser: 0,7 km
  • Umkreis Verbrennungen dritten Grades: 2,0 km
  • Umkreis tödlicher Strahlung: 1,3 km

„Little Boy“ ist die erste militärisch eingesetzte Atombombe der Welt. Am 6. August 1945 nahm die „Elona Gay“ - der Pilot benannte den Bomber nach seiner Mutter – Kurs auf Hiroshima und warf „Little Boy“ ab. Die Bombe explodierte in 600 Metern Höhe und zerstörte 80 Prozent der Innenstadt komplett. Die Detonation war so stark, dass sogar Schatten in das Mauerwerk eingebrannt wurden. Es war eine Machtdemonstration der USA gegen Japan und den Rest der Welt.

Stärkste von USA getestete Bombe (Castle Bravo)

  • Land: USA
  • Name: „Castle Bravo“
  • Sprengkraft: 15 Megatonnen
  • Testdatum: 28. Februar 1954
  • Umkreis zerstörter Häuser: 5,4 km
  • Umkreis Verbrennungen dritten Grades: 34 km
  • Umkreis tödlicher Strahlung: 3,6 km

„Castle Bravo“ war die versehentlich stärkste von den USA getestete Atombombe. Auf Grund eines theoretischen Fehlers hatte die Bombe nicht die erwarteten 4 bis 8 Megatonnen, sondern 15 Megatonnen Sprengkraft. Damit war die Explosion auf dem Bikini-Atoll ungefähr tausend Mal stärker als die von Hiroshima. Große Teile der Insel verdampften komplett. Der Lichtblitz konnte noch in 400 Kilometern gesehen werden. Die Besatzung des japanischen Fischerboots „Glücklicker Drache V“ wurde noch in 140 Kilometern Entfernung stark verstrahlt.

Russische ZAR-Bombe

  • Land: Russland
  • Name: „Zar“
  • Sprengkraft: 57 Megatonnen
  • Testdatum: 30. Oktober 1961
  • Umkreis zerstörter Häuser: 10,4 km
  • Umkreis Verbrennungen dritten Grades: 60 km
  • Umkreis tödlicher Strahlung: 5,0 km

Die russische „Zar“-Bombe ist die weltweit stärkste getestete Wasserstoffbombe. Ihre Sprengkraft wurde auf 50 Megatonnen geschätzt – tatsächlich waren es 57 Megatonnen. Damit war sie fast viertausend Mal stärker als die Bombe von Hiroshima. Die Druckwelle von „Zar“ war so stark, dass sie mit feinsten Messgeräten noch nach zweieinhalb Erdumrundungen gemessen werden konnte. Der verantwortliche Ingenieur, Andrej Sacharow, konstruierte auch eine Atombombe mit 100 Megatonnen Sprengkraft. Doch nachdem er sah, was die Bombe anzurichten vermochte, wurde er zu einem der stärksten russischen Gegner von Atombomben und setzte sich für die internationale Abrüstung ein.

Größte aktuelle Bombe, USA

  • Land: USA
  • Name: „B-83“
  • Sprengkraft: 1,2 Megatonnen
  • Entwicklungsjahr: 1991
  • Umkreis zerstörter Häuser: 3,0 km
  • Umkreis Verbrennungen dritten Grades: 13,6 km
  • Umkreis tödlicher Strahlung: 2,51 km

Die B-83 ist die zurzeit stärkste Wasserstoffbombe im Arsenal der USA. Sie ist so konstruiert, dass sie auch von Überschallflugzeugen transportiert werden kann. Die Amerikaner setzen bei dieser Bombe auf Flexibilität: Sie kann sowohl in großer Höhe oder mit Einsatz eines Fallschirms sowie nach Aufschlag oder am Boden verzögert gezündet werden.

Größte, aktuelle Atombombe Frankreichs

  • Land: Frankreich
  • Name: „TN 80/81“
  • Sprengkraft: 300 Kilotonnen
  • Testjahr: 1984
  • Umkreis zerstörter Häuser: 1,9 km
  • Umkreis Verbrennungen dritten Grades: 7,5 km
  • Umkreis tödlicher Strahlung: 2,1 km

„TN“ steht für „tête nucléaire“, also nuklearer Kopf. Seit 1964 ist Frankreich im Besitz von Atomwaffen. Mit Raketen bestückte U-Boote sowie Kampfflugzeuge bilden die sogenannte „Force de dissuasion“ (Abschreckungskraft). In ihr sieht Frankreich seine Unabhängigkeit garantiert. So heißt es in einem Bericht des französischen Senats: "Frankreich zieht aus seiner langen Geschichte die Lehre, dass es nie vor strategischen Überraschungen sicher sein kann". Gemeinsam mit Großbritannien ist Frankreich die einzige Atommacht auf dem europäischen Kontinent.

Größte aktuelle Atombombe, Russland

  • Land: Russland
  • Name: „Topol-M“
  • Sprengkraft: 800 Kilotonnen
  • Testdatum: 24. Dezember 2004
  • Umkreis zerstörter Häuser: 2,62 km
  • Umkreis Verbrennungen dritten Grades: 11,4 km
  • Umkreis tödlicher Strahlung: 2,4 km

Über seine nuklearen Streitkräfte gibt Russland kaum Informationen preis. Daher kann man nur vermuten, dass die „Topol-M“ die zurzeit stärkste Atombombe im russischen Arsenal ist. Sie ist seit 1997 im Dienst und kann Ziele in 11.000 Kilometern Entfernung erreichen. Laut wissenschaftlichen Schätzungen besitzt Russland weltweit 4500 Atomwaffen, die sich auf rund vierzig Standorte verteilen.

Größte aktuelle Atombombe, China

  • Land: China
  • Name: Dongfeng 5
  • Sprengkraft: 5 Megatonnen
  • Testdatum: 10. September 1971
  • Umkreis zerstörter Häuser: 4,82 km
  • Umkreis Verbrennungen dritten Grades: 25 km
  • Umkreis tödlicher Strahlung: 3 km

China ist seit 1964 im Besitz von Atomwaffen. Die chinesische Dongfeng 5 wurde im Jahr 1979 in Betrieb genommen und stellt derzeit die stärkste Atombombe des Landes dar. Sie kann Ziele in bis zu 12.000 Kilometer Entfernung erreichen. Eine neuere Variante, die Dongfeng 5A, setzt auf weniger Sprengkraft, besitzt dafür aber bis zu sechs Sprengköpfe pro Rakete, deren Reichweite und Zielgenauigkeit verbessert wurde.